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    Jean Schmiedel gehört heute in Chemnitz zu den ungewöhnlichsten und  
    eigenständigsten Künstlern. Ich kenne seine Bilder, Bildobjekte seit Ende der  
    80iger Jahre. Waren seine Arbeiten in früheren Jahren beeinflußt durch das  
    Verwenden von Naturmaterialien wie Haare, Perlen, Federn, Muscheln, bis hin  
    zu getrockneten mumifizierten Tieren, so erkennt man in seinen neuen Arbeiten,  
    dass nun zeichnerische Elemente wieder eine stärkere Rolle spielen als das  
    Material. Neben seiner typischen Handschrift, die einhergeht, das schnell  
    gearbeitet wird, spontan, expressiv, es wird teilweise verschüttet, einfach  
    übersprüht - erkennt man bei den neuen Arbeiten, die Portraicharater haben,  
    besonders bei den Gesichtern, das Zeichnen wieder. Die Zeichnung ist bei einem  
    Jean Schmiedel nicht vordergründig. Vielmehr verhält sie sich wie ein verlorener  
    Draht in der Landschaft, wie ein schwarzer Faden, der im Gebüsch hängt vom  
    letztem Hochwasser, manchmal verloren in seiner Sparsamkeit, aber immer das  
    Zentrum des Bildes herausvordernd. Immer häufiger, so habe ich den Eindruck,  
    wird auch wieder mit Ölfarbe gearbeitet. Die Zeichnung, sagt man, ist die  
    intimste, ehrlichste Gestaltung der bildenden Kunst. So werden auch bei den  
    Portraitbildern klare, eindeutige Aussagen getroffen. Hier wird nicht intellektuell  
    verklärt. Hier wird geschossen, gebrochen, gebissen, gefressen, getrunken. Es  
    stellt sich nicht die Frage, ob man sich dessen Handlungen beim Betrachten der  
    Bilder ausschließen sollte oder nicht, viel mehr haben diese Bilder etwas  
    kosmopolitisches, xenophiles, es ist ein own brand, Bilder der eigenen Art, mit  
    einer Ästhetik, die den Betrachter trotz allen nicht abstößt, nicht zum wegsehen  
    zwingt. Diese Aufmerksamkeit zu erzeugen mit einer Kunst die nicht  
    exhibitionistisch, konzeptionell überfrachtet ist, ist Jean Schmiedels große  
    künstlerische Leistung.  
       
    Holger Weigelt